don't speak

Der Ort
eine welt
in der ich
fliegen lernte
und meine träume auferstanden
in der ich
ungebremst ich selbst sein konnte
und kopfüber versank
in wahrheit und drogenrausch
ein ort
der mich umschlang
mich an sich zog
um mich nie mehr gehen zu lassen
eine welt
in der ich
fallen lernte
und meine grenzen überschritt
in der ich
geborgen war in sicherheit
und wurzellos ertrank
in träumen und biergestank
ein ort
der nach mir gierte
mich an sich band
um mich einfach weg zu schicken
eine welt
in der ich
sein konnte
aber nicht leben
ein ort der mich lehrte
was ich bin
die grundsteine meiner charaktermauer
den geist in meinem handeln
das zeichen meiner seele
das sich eingebrannt hat
auf jede wand
die ich beschrieb.
06.04.07
für euch
31.5.07 12:12


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Ändern
wehrlos hängst du an meiner brust
wie ein kind
schreist du in den wind
als könnte das was ändern
du bläst dich auf
mit heuchlerischer arroganz
die mich innerlich
auf deinen willen pissen lässt
wie regentropfen auf blech
allein stehst du vor meiner tür
wie ein junge
schiebst du trotzig deine lippe vor
als könnte das was ändern
du plusterst dich auf
mit glibberiger schmeichelei
die mich innerlich
auf deinen stolz kotzen lässt
wie eiter aus einer wunde
kleinlaut hockst du in meinem bett
wie ein nervenbündel
heulst du rotz und wasser
als könnte das was ändern
ich lass dich
schreien
trotzen
weinen und kotzen
(so wie du mich)
dann wisch ich deine tränen weg
und du bist immer noch allein.
oder hast du geglaubt
das alles würde etwas ändern?
19.04.2007
a.b.
31.5.07 12:13


mentor

ich kann nicht mehr lernen
nicht von dir
ich hab an deiner seite
einfach schon zuviel gefühlt

ich hab ideale sterben sehn
hab den funken mut in deinen augen
sang und klanglos verlöschen sehen

hab die welt, deine welt
für mich neu gemalt
und die farben sind verblasst
wie schlechte tusche auf altem pergament

ich kann nicht mehr lernen
nicht von dir
ich hab in deinen armen
einfach schon zuviel erlebt

ich hab moral verbluten sehn
hab das feuer in deiner brust
zu kalter asche verglühn sehn

ich hab die emotion, das gefühl
in meinen händen wachsen sehen
gedeihen, blühen und sterben sehn
ich hab in deinen armen
an deiner seite
alles gelernt
was du mich lehren konntest

damit die erinnerung
mich aufrecht hält
mich stark sein lässt
und mich wärmt
in kalten nächten.

keine liebe ist umsonst
26.04.2007
dopamin

 

31.5.07 12:13


Mitleid
auf gespalten
wie ein riss in einem klangkörper
zerreißt die stille deiner lippen
meine symphonie aus glück
eingesperrt
wie ein panther in einem käfig
ziehst du unruhig deine kreise
in meinen kranken synapsen
fehl gesetzt
wie ein fleck schwarz im regenbogen
verwäscht dein lügen
mein bild vom himmel
[und all das nur
weil ich dich lass’
denn wenn ich dich vergessen würd’
dann wärst du ja schon tot.]
26.04.07

31.5.07 12:17


teil II

Er schaut auf die Reste dessen, was einmal ein Mensch war. Oder was einmal einem Menschen ähnelte. Die Gesichtsfarbe seines besten Freundes ist nicht einmal ein Schatten dessen was es einmal gewesen war. Nur noch ein Hauch braun in dem weißlichen Grau, dass sich wie Pergament über Wangenknochen und Jochbeine spannt. Die Augen schauen glanzlos drein. Liegen in abgrundtiefen, violett bläulichen Höhlen. Die Lippen liegen rissig und trocken aufeinander, pappen vor Trockenheit zusammen wie feuchtes Löschpapier. Der knochige Körper versteckt sich unter der grünweiß gestreiften Krankenhausdecke. Ein Arm liegt auf der Decke. Der linke Arm, nur noch Sehnen, Haut und Knochen. Weiß. Nur die blauen Adern schimmern durch die dünn gewordene Haut. Aus der Ellenbeuge ragt die Infusion. Die Hand, schmal und knochig, liegt wie leblos auf der Decke. Mit diesen Händen wurde einmal gearbeitet. Beim Bau. Beim Abriss von Gebäuden, beim zersägen von Bäumen. Voller Schwielen und Narben. Muskulös und rau. Jetzt ist sie so zart und schlank geworden, wie die eines Pianisten.
Der ganze Körper…er ähnelt nicht mehr dem Brocken von Mensch, dem braungebrannten und muskulösen Jungen von früher. Das Bett mit dem Dutzend an Geräten um ihn herum erschlägt ihn fast. Die Anzahl der Dinge, die sein Leben erhalten sollen begräbt ihn unter sich. Er verschwindet darin. Er gehört nicht hierher.
„Du gehörst nicht hierher, man.“ Er zieht einen Stuhl an das Bett. Es kratzt und knartscht auf dem grau grün gesprenkelten Linoleum. Das Geräusch übertönt sogar das Schnarchen des Bettnachbarn. Noch ein kaputter Körper unter den beschissenen monotonfarbenen Krankenhauslaken. Ein Grinsen zieht die trockenen Lippen auseinander. Ein groteskes Bild. Die Stimme ist heiser und sehr leise. Ein krasser Gegensatz zu dem volltönenden Bass der letzten Jahre.  
„Sollen wir einen saufen gehen? Dann musst du aber n AOK Shopper besorgen, alter…“ der Rest geht in einem Röcheln unter. Dann wieder das Lächeln das die straff gespannte Haut auseinander zieht.
„Weißt schon wie ich das mein.“ Er ruckelt auf dem Stuhl herum. Kann das rechte Bein nicht stillhalten. Überhaupt. Er weiß nicht wohin mit seinen Gliedmaßen. Die Hände, noch dreckig von der Arbeit baumeln nutzlos von den Knien. Der Geruch hier drin macht ihn wahnsinnig.
„Wie lange noch? Ham die was gesagt?“
„Hmhh…,“ein Räuspern wie wenn Stoff zerreißt. „Bis zum bitteren Ende? Besorg mir ne halbe Flasche richtig guten Wodka und der Spuk ist morgen vorbei. Alk harmoniert nicht so gut mit der ganzen Chemie hier drinnen,“ er deutet auf den Körper unter der Decke. „und dann hab ich nochma n richtig geilen Rausch man!“
Ein keuchendes Lachen. Mit einem Ruck springt sein Gegenüber vom Stuhl. Es knallt als das Holz auf Linoleum trifft. Er packt die schlaffe Hand und zerdrückt sie fast. In den Augen brennt es. Er sieht nur Schlieren. Und seine Stimme ist so gepresst, dass sie fast zu leise ist um sie zu hören.
„Wann du hier raus kommst, verdammte Scheiße!“ er starrt in das Gesicht. Das geliebte, durch Jahre der Freundschaft und des Zusammenseins vertraute Gesicht, das jetzt einer Totenmaske gleicht. „Du kommst hier raus, man! Und zwar laufend auf deinen zwei hässlichen Beinen!“
„Krieg ich sonst Ärger oder was?“ ein sehr trauriges Lächeln.
„Dann klatscht es, aber keinen Beifall…“
Die lasche Hand erzeugt einen minimalen Gegendruck in seiner Hand. Aus plötzlicher Angst sie zu zerdrücken, lässt er locker. Die blassen Augen ziehen sich leicht zusammen und fangen an zu glänzen. Kein Strahlen, aber ein mattes Leuchten schimmert in dem blau auf. Fast so wie…damals. Aber nur fast. Er muss hier raus. Er löst seine Hand von der seines Freundes. Stellt den Stuhl wieder hin.
„Ich muss dann auch, ne…“
„Schon klar, die Ratte verlässt das sinkende Schiff.“
„Nein man…du weißt doch das…ey….“
„Ja, ich weiß.“ Noch einmal das keuchende Kichern. „Aber komm wieder.“
„Verlass dich drauf alter. Und wehe du verpisst dich einfach!“
„Ich versuchs…“
Er schließt die Tür so behutsam und vorsichtig, als wäre sie aus dünnem Glas. Dann läuft er die langen Korridore stur immer weiter bis zu den Treppen. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend sprintet er sie hinunter. Durch die Empfangshalle rennt er fast zur Tür hin. Draußen rennt er los. Immer weiter. Über die Straßen, durch den Park. Weiter durch die Dunkelheit. Er läuft und läuft. Seine Stiefel knallen auf den Asphalt. Er fängt an zu schwitzen. Hält an. Mitten im Park. Er setzt sich auf eine Bank. Und die Tränen kullern über sein Gesicht. Über die Knochenstruktur eines Mannes, der irgendwo in seinem Innern doch nur ein kleiner Junge ist der gerade seinen besten Freund an einen Gegner verliert, den er nicht besiegen kann.   
31.5.07 18:38


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